«Ich versuche, nicht ‹Etwas› zu fotografieren, sondern es zu interpretieren. Ich suche Bilder, die glaubhaft dem ‹Etwas› näher kommen. Es geht um das Gefühl im Visuellen.»
Soeben erschienen!
ISBN 978-3-9813607-4-5Vincent Kohlbecher folgt in seiner neuen Arbeit den Spuren des Romans „Gravity’s Rainbow“ (Die Enden der Parabel) von Thomas Pynchon* und übersetzt dessen paranoiden, fragmentierten Kosmos in eine eigenständige fotografische Bildwelt. Über sieben Jahre hinweg reist er entlang der Schauplätze des Romans durch Europa, Afrika, Zentralasien und Amerika. Entstanden ist eine offene, vielschichtige Bildfolge, in der sich Realität, Projektion und Fiktion überlagern. Kohlbecher beschreibt seine Arbeitsweise als „visuelles Forschen“ – als Versuch, Literatur nicht abzubilden, sondern fotografisch zu interpretieren.
Nach seinem ersten Buch „Its Flower Is Hard To Find“, für das Kohlbecher über mehrere Jahre hinweg in Polen nach Erinnerungen an seine Kindheit, den katholischen Glauben und deutsche Geschichte suchte, wendet sich die neue Arbeit erstmals einem literarischen Kosmos zu – dem Roman „Gravity’s Rainbow“ von Thomas Pynchon.
Es beginnt mit einem Heulen am Himmel: Dezember 1944. Ein Angriff der deutschen Luftwaffe auf London. Es gab so etwas schon häufig, heißt es, nur ist diese Bombardierung in ihrer Heftigkeit nicht vergleichbar mit vorherigen. Eine Evakuierung beginnt, die von Anfang an aussichtslos erscheint. Zerberstende Mauern, Brände, katastrophale Zustände, kein Ausweg, und dann war es nur der Traum einer Figur aus dem Buch.
In Pynchons Roman ist es oftmals nicht klar, ob man der Handlung der Geschichte oder den Träumen und Halluzinationen seiner Figuren folgt. Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs beginnt für die verschiedenen Charaktere eine rastlose Odyssee durch das zerstörte Deutschland auf der Suche nach dem Geheimnis der V2-Rakete, der Wunderwaffe. Jeder ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht.
Die Rakete ist das Mysterium des Romans, Symbol für Macht, Männlichkeit und technologische Hybris. Aus der Vernichtungswaffe der Nazis erwächst später das amerikanische Raumfahrtprogramm. Fantasie und Realität mischen sich zu Verschwörungstheorien, Wahnvorstellungen und Paranoia.
Vor diesem Hintergrund folgt Vincent Kohlbecher den Spuren des Romans. Von England über die Côte d’Azur, kreuz und quer durch Deutschland, nach Polen, in die Niederlande, in die Schweiz, nach Österreich, Griechenland und Bosnien-Herzegowina. Weiter nach Namibia, Georgien und Kirgistan, durch Südamerika bis nach Hollywood.
Entstanden ist eine vielschichtige Bildfolge. Wie bei Pynchon überlagern sich Fakten, Projektionen und Fiktionen, der Eindruck bleibt ambivalent, die Wirklichkeit fragil. Die Fotografien verdichten sich zu einem komplexen Gefüge – einem visuellen Echo auf einen der rätselhaftesten Romane des 20. Jahrhunderts.